Zwiewuchs

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Foto: Wintergerste auf 50er Dämmen (links), Wintergerste im Flachanbau (rechts). Das Bild wurde im Juni 2021, in Engelmannsbrunn, Niederösterreich, aufgenommen.

Zwiewuchs ist ein häufig auftretendes Problem in der Landwirtschaft. Gemeint ist das wiederholte Austreiben von Getreide im Frühjahr.

 

Andrea Feiffer und Franz Klüßendorf (2020) weisen darauf hin, dass der Grünanteil neuer Triebe viel Feuchte in das Dreschwerk bringt und somit das Korn wieder befeuchtet wird. Die Feuchte steigert sich so bis zu 4%. Die erhöhte Feuchte mache sich auch bei der Dreschleistung bemerkbar, so Feiffer und Klüßendorf. Weiter weisen sie daraufhin, dass der Erntetermin mit Vorsicht gewählt werden soll, da reife Ähren vermehrt abknicken, wenn bis zu der Reife des Zwiewuchses gewartet wird. Zu lange warten geht also mit Ernteausfall einher. Als Ursachen für Zwiewuchs, werden in der Fachliteratur unterschiedliche Gründe aufgeführt.

 

M. Oberforster (2013) nennt Viruskrankheiten, Trockenheit, Spätfrost und Hagelschäden als Ursache für das wieder Austreiben des Getreides bei genügend Niederschlag im Frühjahr.

 

In dem Bild sieht man wie die Gerste auf Dämmen gleichmäßig abgereift ist. Rechts im Flachanbau erkennt man deutlich den Zwiewuchs, nicht nur an den Fahrgassen, sondern auch an den Niederungen, an denen sich länger Wasser gehalten hat. Grund dafür ist, ein strukturloser Boden, der Wasser nur bedingt aufnehmen kann. Ist zusätzlich noch eine Pflugsohle vorhanden, wirkt sie wie eine Sperrschicht, durch die kein Wasser sickern kann. Wasser staut sich an der Oberfläche und das Bodenleben erstickt. Als Folge kommt die Kulturpflanze in ihrer Entwicklung zu einem Stillstand. Wird die Witterung wieder besser, der Boden trocken, setzt sich die Entwicklung der Pflanze fort. Sie holt mit dem erneuten Austreiben auf, was unterbrochen worden war, um Verlorenes auszugleichen. In der Dammkultur kommt der Boden und die Kultur zu dem Luftabschluss, dem anaeroben Zustand. Deshalb wird die Pflanze auch nicht in Ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Der Boden ist wegen der schonenden Bearbeitung und dem Verzicht auf Pflug und Kreiselegge porös. Das durch die Damm-Form entstehende Lungensystem fördert Bodenleben und Wurzeln. Solch ein Boden weist bei starken Niederschlägen eine hohe Wasserspeicherkapazität auf und "atmet" trotzdem. Die Kultur kommt in ihrer Entwicklung nicht zu einem Stillstand- ist deshalb weniger anfällig für Krankheiten. Das "Eigenleben" im Damm hält Feuchtigkeit in Trockenperioden. Gleichzeitig ist die Pflanze bei starken Niederschlägen geschützt, weil sie auf dem Damm einen erhöhten Standort hat. Insgesamt kommt es daher zu nicht-nennenswertem bis keinem Zwiewuchs in der Dammkultur. Das wirkt sich wiederum positiv auf den Ertrag aus und reduziert Kosten bei dem Dreschen und der Trocknung.

 

Quellen:

Andrea Feiffer und Franz Klüßendorf (2020) https://www.bauernzeitung.de/agrarpraxis/ackerbau/zwiewuchs-ahren-wittern-morgenluft/.

Oberforster, Michael (2013). Probleme mit Auswinterung, Trockenstress, Virosen, Spätfrost und Zwiewuchs bei Weizen und Wintergerste im Jahr 2012 in Österreich

Dammkultur nach Julian Turiel